
„ Wiener Heiterkeit mit einem Zuge tiefer Melancholie verwebt und veredelt ”
Die Violinsonate A- Dur, Opus 162 (D 574) komponiert Schubert Ende des Jahres 1817.
Wie ein Lied beginnt das Allegro
moderato , in diesem Fall ein Lied ohne Worte, das von Hoffnung und Freude
erzählt, bei dem leichte Anzeichen von Wehmut schnell verfliegen; - in der
Folge
3 Sätze im Dreiertakt - gleichsam als Beschreibung der musikalisch -
gesellschaftlichen Aktivitäten des Meisters, der Liederabende, der
Tanzabende , seiner " Schubertiaden " , zu denen er eine Fülle von
Walzern, Ländlern, Ecossaisen (" Schottische "), Galoppen und Cotillons
schreibt, wobei er manche Melodien in anderen Kompositionen zitiert, wie
eben auch das Thema seines
Cotillons in Es (D 976), eines walzerischen Tanzstücks für Klavier , das wir
als Seitenthema des Finalsatzes der A-Dur Sonate wiederfinden.
Und das Wien der Biedermeierzeit tanzt - obwohl ein brodelnder Schmelztiegel
politischer Unruhen und sozialer Not, tanzt es.
Im Februar 1809 berichtet Johann Friedrich Reichardt an seine Leipziger
Zeitung : " Die Tanzlust steigt jetzt bis zur Tanzwut. "
Einige Jahre später schreibt Karoline von Humboldt an ihren Ehemann. " Ein
Weltgericht wird gehalten, wie noch nie eins war, aber hier beschäftigen
sich die Leute damit, sich Galakleider sticken zu lassen ! "
Die Wiener des Vormärz leben für die Musik und durch sie, aber nicht aus
Leichtsinn oder Oberflächlichkeit. Die Musik ist für sie das Mittel zu einer
sinnvollen Bewältigung der Wirklichkeit.
Thomas Albertus Irnberger
Weitere Details finden sich im Booklet der CD.
