Folgendes Statement von Jörg Demus
liegt der vorliegenden Einspielung der Sonaten für Pianoforte und Violíne
von Mozart zugrunde.
Oft höre ich die Frage : " Glauben Sie nicht, dass Bach, Mozart
glücklich gewesen wären, wenn sie den modernen Konzertflügel gekannt hätten
? "
Meine Antwort lautet unweigerlich : " Die Meister waren Meister auch mit
allem, was sie gerade zur Verfügung hatten; sie hätten also gewiss völlig
anders komponiert, als wir es heute aus ihren Werken kennen. Da diese Werke
in ihrer nur ihnen eigenen Form, oft mit minuziös festgelegten
Spielanweisungen, wirklich als schicksalhafte Geschenke auf uns gekommen
sind, so empfangen wir Belehrung und Inspiration aus der Kenntnis jener
Instrumente, für welche sie einst erdacht worden
sind. " Der Klang der historischen Instrumente, alle Quellen, die uns Leben
und Werk der Komponisten näherbringen, und Zeugnisse über das Musizieren in
den letzten Jahrhunderten erleichtern den Weg hin zu einer möglichst
werkgetreuen Interpretation.
Doch darf man nicht aus den Augen verlieren, daß auch die Gegenwart eine
Interpretation entscheidend mitbestimmt, und daß es - auch bei einer
höchstmöglichen Annäherung an die Werkidee des Komponisten - eine
Interpretation unserer Zeit ist.
Das Klavier zu Mozarts Zeit war der Hammerflügel, die bevorzugte Geige ein
Instrument des genialen Tiroler Meisters Jacobus Stainer ( ca. 1617 - 1683
). Seine Violinen entsprachen in jeder Hinsicht dem vorherrschenden
Klangideal. Sie zeichnen sich durch eine unglaubliche Klangschönheit aus und
sind bekannt für ihre " voce argentina ", ihren silbrigen Klang.
Stainers Instrumente erzielten im 18.Jahrhundert einen zehnmal so hohen
Preis wie die italienischen Geigen.
Die bei dieser Einspielung verwendete Stainer-Geige aus dem Jahre 1656
besticht durch ihr Tonvolumen, durch die Fülle der Klangfarbnen und ihren
Reichtum an Obertönen.
Thomas Albertus Irnberger
