Die Violinsonate in G-Dur, Opus 78  entsteht während der Sommer 1878/79 in Pörtschach am Wörthersee. Die Sommermonate sind für Brahms von existentieller Bedeutung. Er genießt den Aufenthalt im Freien und ist empfänglich für die Schönheiten der Natur. Die Seenlandschaft mit dem fast mediteranen Klima vor dem Gebirgszug der Karawanken inspiriert den Komponisten ; eine mit Wasserlilien übersäte Bucht weckt Erinnerungen an seine Kindheit, an seine norddeutsche Heimat und an die trostbedürftige Clara Schumann. Das Regenlied, das Brahms als Opus 59 Nr.3 bereits 1873 vertonte, hält jetzt Einzug in die Violinsonate. Doch das Bild von Schlaf, Traum, liebevoller Geborgenheit und leiser Wehmut schwindet, das Idyllische weicht in der Durchführung einer schmerzlichen Dramatik, um kurz vor der Reprise wieder ins Lyrisch-Elegische zurückzukehren.
Wie ein feierliches Lied beginnt der 2.Satz
- ein Adagio - und wieder ändert sich der Charakter. Der Regentropfenrhythmus gleitet in einen Trauermarsch.
Am stärksten wirkt die Melancholie im
3.Satz durch die vorherrschende Mollstimmung. Der Schmerz, die Trauer haben nachgelassen, die Erlösung von dem Leiden steht im Vordergrund . Dieser Satz soll trösten.

Wie die G-Dur Sonate scheint auch die Violinsonate in A-Dur Opus 100 , ebenfalls ein Werk mit
auffällig lyrischem Charakter, einen autobiographischen Hintergrund zu haben. Wiederum gibt es Beziehungen zu Liedern, und wieder ist Sommer. Doch diesmal befindet sich Brahms in der Schweiz, in Hofstetten bei Thun, im Jahr 1886. Brahms ist glücklich - lange Morgenspaziergänge, der idyllische Thunersee am Fuße der Hochgebirgswelt und - eine neue Liebe. Brahms sehnt sich nach der Sängerin Hermine Spies.
Max Kalbeck schreibt in seiner Biographie, daß Brahms die Sonate " in Erwartung der Ankunft einer geliebten Freundin " geschrieben hat. Und für diese zitiert er zwei eigene Lieder in  seinem Werk.
Das Lied " Komm bald " Opus 97/5 und " Wie Melodien zieht es mir leise durch den Sinn " Opus 105/1.
Doch noch ein Lied klingt an - gleich zu Beginn  - das Preislied aus Richard Wagners " Meistersingern ". Daß die Ähnlichkeit mit diesem Lied zu Beginn der Sonate reiner Zufall ist, kann man fast nicht glauben.
Alle drei Sätze der Sonate  bilden für Hanslick " einen reinen Dreiklang einheitlich wohltuender
Stimmungen ; - ein heiteres Ausruhen des Gemüts ."

Doch nicht nur die A-Dur Sonate entsteht im Sommer 1886 , Brahms beginnt auch seine dramatische,
ohne Liedbezug konzipierte
Violinsonate d-Moll Opus 108 ( fertiggestellt hat er sie vermutlich
erst 1888). Widmungsträger der Sonate ist der Pianist und Dirigent Hans von Bülow.
Vom klaviertechnischen her gesehen ist die d-Moll Sonate die anspruchsvollste - virtuos, leidenschaftlich, dramatisch, spannungsreich. Eingebettet zwischen einem Satz, den man als Ruhe vor dem Sturm interpretieren kann und zwischen dem rhythmisch unruhigen, schemenhaft flüchtig dahineilenden Scherzo, in dem Melodien nur angerissen werden, schreibt Brahms ein feierliches klangschönes Adagio.
Gipfelpunkt der Sonate ist jedoch der
Finalsatz, wobei man hierbei einen Vulkan im Sinne haben sollte. Hanslick beschreibt diesen sehr langen und am stärksten durchgearbeiteten Satz als eine
" wie heiße Lava hinströmende Tonflut."

Das besondere Wohlwollen von Johannes Brahms genossen die Hammerflügel aus der Werkstätte des genialen Wiener Klavierbauers Johann Baptist Streicher ( 1796 - 1871 ) und dessen Sohnes Emil Streicher ( 1836 - 1916 ). Diese zeichnen sich durch ihren hellen, transparenten Klang im Diskant, ihre Tonlänge und ihren dunklen, herrlichen Baß aus.
Bei der hier vorliegenden CD-Aufnahme kommt ein mit Wiener Mechanik und Hebeldämpfung ausgestatteter
" Johann Bapstist Streicher und Sohn " - Flügel um 1870 zum Einsatz, der
einen Tonumfang von sieben Oktaven hat , und fast mit dem verschollenen Streicher-Flügel
aus dem Jahr 1868 identisch ist, auf dem Brahms bis zum Lebensende in seiner Wiener Wohnung
in der Karlsgasse spielte.
                                                                                                                         Thomas Albertus Irnberger

 Paganini - Violinkonzert Nr.4 d-Moll
Suonata Varsavia

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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